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Comicverfuehrer

Comic-Salon in Erlangen: Für die Jury sind dies die 25 besten Veröffentlichungen der letzten zwei Jahre

Illustration: Posy Simmonds - Reprodukt
Illustration: Posy Simmonds - Reprodukt

Ein kleiner Service: Der Erlanger Comic-Salon (4.-7. Juni) hat seine 25 Titel für den Max-und-Moritz-Preis 2026 nominiert. Und jetzt Sie vielleicht so: „Oje, 25 neue Titel! Sooo viiiel Stoff! Wie soll man das alles aufarbeiten?“ Aber easy: Wenn Sie hier mitlesen, kennen Sie 16 Titel schon. Und wenn nicht: Einfach die verlinkte Liste durchklicken! Und - ja? Was mit Posy Simmonds ist, die für ihr Lebenswerk geehrt werden soll? Keine Bange, Posy kennen Sie auch schon.


Die Nominierten:

Ahmadjan und der Wiedehopf von Maren Amini. Carlsen

Bauchlandung von Wanda Dufner. Edition Moderne

Blutsauger von André Breinbauer. Carlsen

Das Lied der Arktis von Jean-Paul Krassinsky und Bérengère Cournut (Üs. Resel Rebiersch). Schreiber & Leser

Der süßeste Bruder der Welt ... und andere Irrtümer von Elin Lindell (Üs. Katharina Erben). Klett Kinderbuch

Der verkehrte Himmel von Mikael Ross. avant-verlag

Der Weltraumpostbote. von Guillaume Perreault (Üs. Ulrich Pröfrock). Rotopol

Der Zahn von Ayşe Klinge. Kibitz

Die Frau als Mensch von Ulli Lust. Reprodukt

Die große Verdrängung von Roberto Grossi (Üs. Myriam Alfano). avant-verlag

Fleischeslust von Martin Oesch. Edition Moderne

Hackenporsche von Melanie Lüdtke. Schwarzer Turm

In den trüben Gewässern Istanbuls von Özge Samancı (Üs. Silv Bannenberg). Helvetiq

Jakob Neyder von Franz Suess. avant-verlag

Kaputt von Alison Bechdel (Üs. Katharina Erben). Reprodukt

Meine Geschichten von Mutter und Tochter von Katharina Greve. avant-verlag

Peri Meno von Rinah Lang. Carlsen

Red von Josephine Mark. Kibitz

Saloon. Das ist Familiensache von Mia Oberländer. Edition Moderne

Schweigen von Birgit Weyhe. avant-verlag

Shrimpie und ich von Moni Port und Claudia Weikert. Kibitz

Sonntag von Olivier Schrauwen (Üs. Christoph Schuler). Edition Moderne / Colorama

The Strange House von Uketsu und Kyo Ayano (Üs. Claudia Peter). Panini Manga

Unruhe von Sarah Hübner. Jaja Verlag

Zwei weibliche Halbakte von Luz (Üs. Lilian Pithan). Reprodukt



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Die Outtakes (20): Ein Gruß vom Altmeister, eine Ebbe im Altmärchens und eine Mixtur mit Alt-Dichtung

Illustration: Bernie Wrightson - Splitter Verlag
Illustration: Bernie Wrightson - Splitter Verlag

Abschied mit Frankenstein


Das also ist das Abschiedswerk des 2017 kurz vor Fertigstellung verstorbenen Grusel-Altmeisters Bernie Wrightson: „Frankenstein Alive, Alive!“. Traditionalisten werden sich wohl dran stören, dass das sonst gut verschraubte, klobige Monster diesmal als eine Mischung aus einem sehr verschlankten Swamp Thing und Iron Maidens Maskottchen Eddie daherkommt. Mir ist die Geschichte der weiteren Karriere des Monsters etwas zu rührselig geraten, aber dafür kommt sie recht opulent daher. Wrightson gönnt sich viele Splashes, und die sind nicht nur einfach aufgeblasen, sondern akribisch zugezeichnet, wie sich’s bei Laboratorien und Bibliotheken anbietet. Effektstark ausgeleuchtet, in düsterem schwarz-weiß, das wirkt schon sehr gut, aber der Story des Kurzgrusel-Experte tut der viele Platz nicht gut. Dass die Erzählerrolle mit dem oft wenig eloquenten Monster auch ein bisschen arg gegen den Typ besetzt ist, ist zwar vorlagengetreuer als manche andere Version, macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Trotzdem: Atmosphäre satt.

 


Bilder-Buch

Illustration: Rébecca Dautremer/Lewis Carroll - Splitter Verlag
Illustration: Rébecca Dautremer/Lewis Carroll - Splitter Verlag

Da hab‘ ich aber mehr erwartet: Rébecca Dautremer hat zuletzt mit einer fantastischen Version von John Steinbecks „Von Mäusen und Menschen“ überzeugt: Sie hat den kompletten Roman illustriert und damit brillant erweitert. Und das erhoffte ich mir auch von „Alice im Wunderland“ – aber diesmal ist’s tatsächlich nur ein bebildertes Buch geworden. Schön bebildert, gewiss, aber eben nur ein bisschen bebildert und, noch viel schader: äußerst konventionell. Während sie in den „Mäusen“ durch eine wahre Bilderflut die Gedankenwelt der Protagonisten frei ausbreitete und zeigte, was ein illustrierter Roman zu leisten imstande ist, sind’s hier erwartbare Illustrationen in einer Bilderebbe. Wer „Alice“ noch nicht im Schrank hat, mag zugreifen, ansonsten entsteht hier leider kein Zusatznutzen.

 

Mehrdeutig oder orientierungslos?


Illustration: Maren Amini - Carlsen Verlag
Illustration: Maren Amini - Carlsen Verlag

Ambivalenz ist oft gut. Aber Maren Aminis Berthold-Leibinger-prämiertes Einwanderer-Epos „Ahmadjan und der Wiedehopf“ fabriziert eindeutig so viel des Guten, das geht schon Richtung Orientierungslosigkeit. Ahmadjan (der Vater der Autorin) lernt im Kabul der 70er westliche Lebensart kennen und wandert nach Deutschland aus. In Berlin malt er, entdeckt noch mehr Kunst, all das ist optisch sehr hübsch, karikaturistisch an Sempé angelehnt. Das Problem ist hier schon der Humor, der so niedlich-lieb und schmerzfrei ist, dass er praktisch nicht mehr stattfindet. Was fatal ist, sobald Ahmadjan ausgewiesen und nach Afghanistan zurückgeschickt wird: Amiri schafft es nicht, den harmlosen Tonfall der verfinsterten Story anzupassen, und das beeinträchtigt Pointen und Betroffenheit zugleich. Alles mit einer alten persischen Dichtung zu überlagern/unterfüttern macht den Stoff zudem nicht beherrschbarer. Das Resultat: Viel Gutgemeintes, immerhin sehr oft von ansehnlichen Seiten aufgelockert. Und: Wer Probleme gern watteweich verpackt mag, liegt hier richtig.

 




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