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Comicverfuehrer

Den Katalog für die Ewigkeit, die Ausstellung für lau: Alexander Braun widmet sich der Geschichte der „Funny Animals“

Ein neues Braunbuch ist immer begleitet von einer gewissen Lust-Angst: Man freut sich, weil sich Braun so ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzt, ahnt aber, dass man wieder viel Nachentdecken muss. Das gilt irritierenderweise auch, wenn sich der doppelte Eisner-Preisträger mal ein wenig zurücklehnt, wie in „Ich, das Tier“.


Effiziente Schlagzahl

Ill.: Walt Kelly - Panini Verlag
Ill.: Walt Kelly - Panini Verlag

Der Katalog, dessen Ausstellung bis 1. November 2026 im Dortmunder Schauraum Comic+Cartoon zu sehen ist, widmet sich anthropomorphen Tieren, auch „Funny Animals“ genannt, obwohl gar nicht alle funny sind. Und erstmals hat man den Eindruck, dass Braun, der in Schwindel und Besorgnis erregender Schlagzahl fundierte Ausstellungen und erdrückendes Begleitmaterial ausbrütet, nennenswert die Früchte seiner Vorarbeit nutzt.


Fulminante Fundgrube


Wer etwa Brauns lesenswerte Bücher über George Herriman, Gus Dirks oder Carl Barks (Gesamtgewicht: ca. ein halber Zentner) vertilgt hat, kann sich hier leichteren Herzens aufs neue Bildmaterial konzentrieren. Und trotzdem sind die rund 280 Seiten eine Fundgrube: Über die Entstehung des Bilderbogens, die Evolution der Fabel, Braun würdigt Walt Kelly oder Ralf König, die bei ihm beide bisher noch keinen passenden Platz fanden. Und dabei illustriert er links und rechts des Weges alles so großzügig, dass mindestens sechs mir zuvor unbekannte Comics jetzt aufs Ausprobieren warten.


Nörgeln auf hohem Niveau

Ein bisschen nörgeln darf man auch: Es ist nicht ganz klar, ab welcher Bedeutung man ein Kapitel kriegt bzw. wäre statt dem ein oder anderen Interview auch ein Sammelabschnitt mit der „zweiten Reihe“ denkbar gewesen („Omaha, the Cat Dancer“? Der gesamte „Donjon“ von Sfar/Trondheim? Blacksad?) Und natürlich, traditionell bei Braun: Was ist mit Quellenangaben und Fußnoten? Aber das bleibt Nörgeln auf hohem Niveau. Wer an der Comicvergangenheit Interesse hat, wer immer wieder Anregungen sucht, was er vielleicht verpasst haben könnte: Ein neuer Braun ist nie ein Fehlgriff.


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Der Vorjahressieger als Bühnenhörspiel: Tobias Aeschbachers Splatterspaß „Der Letzte löscht das Licht“ gibt's jetzt für die Ohren

Herhören bei Luca Hass, Johannes Rebers, Ralph Jung (v.l.) - Foto: Schauspiel Erlangen
Herhören bei Luca Hass, Johannes Rebers, Ralph Jung (v.l.) - Foto: Schauspiel Erlangen

Hübsche Idee: Das Erlanger Theater in der Garage hat Tobias Aeschbachers „Der Letzte löscht das Licht“, den tiefschwarzhumorigen Max-und-Moritz-Preisträger 2024, zum Bühnenhörspiel verarbeitet. Drei Schauspieler lesen den Dialog, machen mit wunderlichen Mitteln recht echte Geräusche, das hat was. Die Premiere zeigt allerdings: Könnte noch besser sein.


Anrührender Doppelselbstmord

Foto: Schauspiel Erlangen
Foto: Schauspiel Erlangen

Liegt an der Mischform: Weil das Hörspiel die Sprecher optisch unterfordert, verführt es dazu, den Text noch zu toppen. Der ist aber schon gut, Aeschbacher ist kein Preschbacher, seine Dialoge werden besser, wenn man ihnen vertraut und sie ausreizt. Ab und zu mal bremst, statt in Windeseile durchzuheizen. Was sich auch in Erlangen zeigt: Als Luca Hass und Ralph Jung wie aus dem Nichts den Doppelselbstmord eines alternden Paares anrührend ausspielen. Und warum sag ich das jetzt, wo der Comic-Salon vorbei ist?

Weil man das Stück noch bis 8. Juli fünfmal sehen kann. Und weil Sie’s vielleicht haudraufiger mögen als ich – dann vergessen Sie mein Genörgel und rein mit Ihnen! Tobias Aeschbacher, Der Letzte löscht das Licht, Theater in der Garage, Theaterstraße 1, 91054 Erlangen


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Für Touris und Einheimische: Deutschlands drittgrößte Stadt hat wieder einen echten Comic-Shop. Was kann der kleine Laden?


Foto: Mimi von Minz
Foto: Mimi von Minz

Wenn man in der drittgrößten Stadt der Republik einen Comic-Shop aufmacht, ist das dann auch der drittwichtigste Comic-Shop des Landes? Irgendwie schon, vor allem wenn diese Stadt namens München vorher gar keinen (!) Comic-Shop mehr hatte. Aber viel wichtiger ist selbstverständlich: Was kann das junge Geschäft? Kurz und schmerzlos: Münchens „Splendid Comics“ am Marienplatz ist richtig gut. Und woran merkt man das?

Foto: Splendid Comics
Foto: Splendid Comics

Daran, dass man innerhalb von 15 Sekunden etwas Attraktives entdeckt, das man so nicht auf dem Schirm hatte. Nostalgiker finden natürlich ihren Asterix und Lucky Luke, aber frontal präsentiert werden „Pauli und Mausi“, die „B-Seiten“ von „Fix und Foxi“: eine clevere Wahl. Touristen werden mit „Trachtman“ bewirtschaftet. Konservative fühlen sich mit den „Hab-ich-auch“-Klassikern („Watchmen“ o.Ä.) bestätigt, und Comicverführer, die ja einige Verlagsprogramme kennen, finden Interessantes, das sie übersehen haben. Dabei ist das bei der kleinen Ladengröße doppelt knifflig.


Doppelt knifflig, dreifach schwer


Denn Comic-Handel-Novize Michael Khambekar kann nicht einfach alles ordern, er muss sich beschränken. Und er hat es beim Nachweis der Comic-Expertise sogar dreifach schwer, weil ihm der Hotspot Marienplatz den heiklen Schwerpunkt „Bayern-Tourismus“ reindrückt. Heikel, weil: Einerseits isses „keine Kunst“, aber man kann es gerade als Start-up unmöglich ignorieren. Khambekar jongliert das so geschickt aus, dass man auch und gerade als Einheimischer gern reinkommt. Genau so muss das aber auch sein, weil nach einem Jahr der stadt-geförderte Shop im Rathaus eine neue Location brauchen wird. Und die sollte dann ökonomischerweise bezahlbarer sein als die Durchschnittsmiete am Marienplatz.


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