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Comicverfuehrer

Sie illustriert, karikiert, remixt: Catherine Meurisses furioses Debüt „Delacroix“ erweckt Alexandre Dumas' Nachruf auf seinen Freund zu neuem Leben


„Delacroix“ ist ja mal was ganz anderes. Eine Deutschlandpremiere. Ein Welt-Autor schreibt über einen Weltmaler. Und das Ganze illustriert eine Comic-Granate. Dreimal Champions League. Klingt übertrieben? Ist es aber nicht. Lesen Sie selbst!

Was das nicht der mit der Fahnentante?


Der Text ist von Alexandre Dumas. Kennen Sie sicher: Der mit den Drei Musketieren. Dem Grafen von Monte Christo. Kein Langweiler und trotzdem eine Hausnummer, oder? Der schrieb 1864 einen langen, schmunzelnden Nachruf auf seinen Freund Eugène Delacroix. Und den kennen Sie auch, hundertpro! Googeln Sie mal „Die Freiheit führt das Volk“. Und?

Illustration: Catherine Meurisse - Carlsen
Illustration: Catherine Meurisse - Carlsen

Ja, genau, der mit der Fahnentante. So, und für diesen Text von Dumas über den Maler Delacroix hat sich jetzt die Französin Catherine Meurisse eine Form überlegt. Die ist selbst auch alles andere als eine Trantüte: Sie hat für Charlie Hebdo gearbeitet, das Pariser Satireblatt, das niemals bremst. Spannend. Was macht also Meurisse?

Den Nachruf illustrieren, nicht kannibalisieren

Zum einen wählt sie die Karikatur. Darin ist sie schon mal prima. Ihr Stil ist ein bisschen Sempé, ein bisschen F.K. Waechter, ein bisschen Jean-Marc Reiser, schwungvoll hingerotzt und trotzdem treffend, boshaft und liebevoll zugleich. Sie garniert den Text mit Cartoons, und das so auszuwählen, dass Text und Pointen sich nicht kannibalisieren, das ist schon eine Kunst für sich. Aber Meurisse kann auch anders.

Illustration: Eugène Delacroix/Catherine Meurisse - Carlsen
Illustration: Eugène Delacroix/Catherine Meurisse - Carlsen

Sie skizziert Straßenszenen, Innenräume, sie ist eine versierte Illustratorin, erweckt das versunkene Paris und seine Gesellschaft wieder zum Leben. Und dann packt sie richtig aus. Denn statt die Gemälde von Delacroix einfach abzubilden, interpretiert sie sie neu. Und was sie da macht, ist einfach atemberaubend.


Delacroix remixt


Schon Delacroix war, wie man dem Text entnimmt, kein Trödler. Aber was Meurisse hinzaubert, ist pure Energie. Sie erfasst die Grundzüge jedes Bildes, reduziert es auf die Farben, die Helligkeit, die Form. Ihre Variante von Delacroix' Druck „Kopf eines Löwen“ sieht aus, als hätte sie dazu nur einen Besen ein paarmal in Farbe getaucht, schwarz, weiß grau, dreimal übers Papier geschrubbt – und alles ist da.


Illustration: Catherine Meurisse - Carlsen
Illustration: Catherine Meurisse - Carlsen

Meurisses Bilder mit Delacroix’ Originalen zu vergleichen, ist eine einzige Freude, die dazu führt, dass ich mich ganz nebenbei durchs Lebenswerk eines Malers klicke, den ich vorher kaum kannte. Und wenn einem das nicht reicht, gibt’s dazu noch eine Extrawurst. Ich hab Ihnen ja eine Deutschlandpremiere versprochen, oder?


Zuckerl aus der Übersetzerstube


Die ist das Zuckerl auf einem erstaunlichen Werk. Denn der Band ist nicht neu, sondern wurde wiederentdeckt. Es war Meurisses erste Veröffentlichung 2005, da war sie grade mal 25 Jahre alt. 2019 hat ihn Dargaud ausgebuddelt, auch Carlsen hat zum Finden etwas länger gebraucht. Und dazu passt eben das Zuckerl: Den Text von Dumas gab’s vorher nicht auf Deutsch.

Illustration: Catherine Meurisse - Carlsen
Illustration: Catherine Meurisse - Carlsen

Diese kleine Pionierleistung von Übersetzerin Lilian Pithan kriegen Sie dazu, einfach so. Und in der Erstauflage auch einen Kunstdruck von Meurisses Besen-Löwen. Was für ein Gesamtpaket! Catherine Meurisse (Zeichnungen), Alexandre Dumas (Text), Lilian Pithan (Üs.), Alexandre Dumas erzählt die Geschichte von Delacroix, Carlsen, 32 Euro


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