Horror aus dem Hühnerstall: Renren Galenos Graphic-Gockel „Sa Wala“ ist ziemlich sicher die Grusel-Überraschung des Jahres

So aufgeregt hab ich Häuptling Berufener Mund selten erlebt. Er sagt mehrfach „unglaublich“ und „der Hammer“, und „da haut die das einfach raus, mit 23!“ Und wenn der Häuptling, der schon manch Büffelherde hat vorüberziehen sehen, so aus dem Zeltchen ist, dann muss man das natürlich prüfen: Der Hammer heißt „Sa Wala“, stammt von der Filipina Renren Galeno – und ist tatsächlich ein sehr ungewöhnliches Stückchen Horror.
Neustart nach dem Hühnertod
Ein junger Hahn wird auf einer Hühnerfarm geboren, wächst nicht besonders gut auf und nimmt ein rasches, vielleicht sogar leckeres Ende – sollte man meinen. Aber diesmal bleibt die Küche kalt, auf rätselhafte Weise gelingt ihm die Flucht und die Hühnerfarm geht in Flammen auf. Kurze Zeit später bremst der Taxifahrer Anding mitten in der Nacht: Auf der Straße steht ein herrenloser Hahn.

So aufgeregt hab ich Häuptling Berufener Mund selten erlebt. Er sagt mehrfach „unglaublich“ und „der Hammer“, und „da haut die das einfach raus, mit 23!“ Und wenn der Häuptling, der schon manch Büffelherde hat vorüberziehen sehen, so aus dem Zeltchen ist, dann muss man das natürlich prüfen: Der Hammer heißt „Sa Wala“, stammt von der Filipina Renren Galeno – und ist tatsächlich ein sehr ungewöhnliches Stückchen Horror.
Neustart nach dem Hühnertod
Ein junger Hahn wird auf einer Hühnerfarm geboren, wächst nicht besonders gut auf und nimmt ein rasches, vielleicht sogar leckeres Ende – sollte man meinen. Aber diesmal bleibt die Küche kalt, auf rätselhafte Weise gelingt ihm die Flucht und die Hühnerfarm geht in Flammen auf. Kurze Zeit später bremst der Taxifahrer Anding mitten in der Nacht: Auf der Straße steht ein herrenloser Hahn.

Wie schon hier nachdrücklich gesehen, sind auf den Philippinen Hühner präsenter als bei uns. Daher ist es recht normal, dass Anding den Hahn mitnimmt und zuhause erst mal in einem Karton vor die Tür stellt. Aber es zeigt sich rasch, dass dieser Hahn einen sehr eigenen Kopf hat. Als sich Anding nach dem Familienfrühstück um ihn kümmern will, hat er schon das Kätzchen der jüngsten Tochter Amor zerfetzt.
Entdecke die Möglichkeiten

Gruslig ist das, auch durch Galenos Regie. Vieles zeigt sie nicht eindeutig: Wenn man mehr Umgebung sehen mag, zoomt sie stattdessen extranah ran. Oder sie zeigt statt dem Entsetzlichen lieber das Entsetzen der Beobachter. Wie der Hahn die Hühnerfarm überlebt, ist nicht klar. Er müsste ein Zombiehahn sein, aber Galeno verweigert die konkrete Einsortierung. Was ihr mehr Freiheiten für den Plot schenkt. Der Hahn wird noch Dinge tun, die man von Zombies eher nicht kennt – wer sich nicht festlegt, muss hinterher nicht mit den Experten diskutieren.
Der Herzenshahn
Amor schließt den Hahn ins Herz, und der Hahn das Mädchen. Sie trägt ihn begeistert auf dem Kopf herum, niemand sagt ihr, dass er die Katze auf dem Gewissen hat. Die Katzenreste wurden heimlich in einer Plastiktüte in den örtlichen Bach geschmissen. Dort häufen sich allmählich die Tüten, weil Anding den Hahn weiter mit Katzen versorgt. Es hat sich gezeigt, dass man mit ihm Geld verdienen kann: Bei Hahnenkämpfen ist er eine Killermaschine. Doch zuhause ist er immer schwieriger zu kontrollieren…

Hier will ich gar nicht zuviel verraten. Wenn Sie auch nur ein bisschen Spaß an Horrorfilmen haben, geben Sie dem Hahn eine Chance, entdecken Sie es selbst – im wahrsten Sinne des Wortes, weil Renren Galeno immer wieder über weite Strecken ohne Text arbeitet, da soll und muss man genau hinsehen, auf Details in den Bildern achten.
Mehr als nur Geflügel?
Häuptling Berufener Mund hat natürlich noch eine zweite Ebene gefunden, das gibt's im Horrorgenre ja öfter: „Der Hahn“, sagt er mit einem weiten Blick über die Erlanger Prärie, „der Hahn ist der Kapitalismus.“ Ich bin da weniger entschlossen, ich finde, der Hahn kann genausogut die KI sein. Aber vielleicht ist der Hahn auch einfach nur ein Hahn. Viel Spaß beim Gruseln!
Sie wollen Ihren Senf dazugeben? Dann hier:
Fünf Mangas in fünf Minuten (III): Diesmal finden sich zwischen Monstern, Geistern und Kampfhähnen auch – ganz normale Leute

Der Gockel rockt
Eine Parodie, die mindestens reizvoll anfängt: Monster überfallen die Welt, und wer rettet uns? Ein Gockel! Das geht schön albern los, und die Monster sind außergewöhnlich zurechterfunden: Das erste ist hochhaushoch, mit drei Hälsen und drei gehörnten Köpfen und einer übergewichtigen Figur, aber im BH. Das zweite eine Spinne mit Fingern als Beinen, einem gehörnten Menschenkopf mit Seitenscheitel und einer Krawatte. Die Fights sind ausbaufähig, der Hahn kann nämlich nur schnell flitzen und laut krähen. Das ist auf Dauer ein bisschen sparsam, weshalb der Hahn bald ein Team bildet, und zwar mit einer Schildkröte. Naja. Aber die abgedrehte Monsterpalette verfolge ich gerne weiter.
„Hanako vom Mädchenklo“

Sorry, der Titel ist nicht von mir: Der Reim sagt, wo’s lang geht. „Mein Schulgeist Hanako“ ist ein Comedy-Romantik-Spuk. Nene ist unglücklich verliebt – und hat eine Sage gehört: Auf der Toilette der Schule gibt’s einen Geist, der hilft. Und tatsächlich, „Hanako vom Mädchenklo“ ist zur Stelle, aber aufgrund einiger Missgeschicke kriegt Nene die erstrebten Jungs nicht und muss Hanako ab sofort als Magd dienen. Das klingt so zurechtgekrampft wie „Seinfelds“ Butler-Plot, wird aber passend mit der Brechstange erzählt. Die Magd muss ab sofort täglich die Klos putzen (wieso eigentlich?), wird gelegentlich nassgespritzt und lernt, dass der Geist möglicherweise ihr wahrer Freund ist. Okay, ist für eine junge Zielgruppe. Die sollte dann aber (Klo putzen! Nassgespritzt! Haha!) wirklich noch nicht viel anderes gelesen haben.
Geschickt geködert

Mangas arbeiten häufig mit langen Handlungsbögen: Fans schwärmen dann von unglaublichen Wendungen ab Band 9 oder so. Auch „Jojo’s Bizarre Adventure“ gehört dazu. Aber: So weit muss man erstmal kommen. Deshalb begeistert mich „20th Century Boys“.
Die Story beginnt 1969: Vier Buben bauen sich ein Versteck, erfinden Geschichten und ein Symbol. 30 Jahre später treffen wir die Jungs wieder: Jetzt passieren seltsame Dinge, Menschen sterben auf mysteriöse Weise, und das Symbol taucht wieder auf – als Logo der bizarren Sekte eines Mannes, der sich „der Freund“ nennt.
Zwei Elemente machen die Story für mich sofort genießbar: Erstens die Enthüllungen und Querverweise, die's zwar nur in homöopathischen Mengen gibt, aber dafür von Anfang an. Und zweitens: die Charaktere, denen Naoki Urasawa ein richtiges Leben gibt, richtige Dialoge, richtig viel Platz und Zeit. Kenji, der unscheinbare Antiheld, trägt beispielsweise ständig ein Baby auf dem Rücken, das Kind seiner Schwester, die abgehauen ist. Er hat den Schnapsladen seines Vaters in einen Supermarkt umgewandelt und wird dafür von seiner Mutter ständig beschimpft. Und der Leiter der Supermarkt-Kette stellt ihn wegen Umsatzrückgangs vor die Wahl „Supermarkt oder Baby“. All das ergibt (auch emotional) starke Szenen, die elegant verzögern, aber doch immer wieder zur eigentlichen Story führen: denn man will ja wissen, was es mit der Sekte und den Morden auf sich hat.
Durch die Brust ins Auge

Erstaunlicher Anfang: In „Der Sommer, in dem Hikaru starb“ sitzen die Schulfreunde Hikaru und Yoshiki vor einem Kiosk und essen Eis. Bis Yoshiki Hikaru sagt, er könne unmöglich Hikaru sein. Woraufhin Hikaru das halbe Gesicht abfällt und er antwortet: „Ich dachte, ich hätte ihn perfekt kopiert...“
Gut, oder? Aber jetzt wird es schwierig.
Yoshiki und der falsche Hikaru bleiben Freunde, hängen miteinander ab. Es gibt Schwierigkeiten in der Schule, eine seltsame alte Frau warnt Yoshiki, und bizarre erotische Elemente kommen dazu: Yoshiki darf durch einen Schlitz in der Brust in Hikaru hineinfassen...
Oft schimpfe ich, dass Mangas vieles überdeutlich erklären: Bei „Der Sommer, in dem Hikaru starb“ schlägt das Pendel zu weit in die Gegenrichtung.
Denn Yoshiki stellt die allernaheliegendste Frage nicht: Was oder wer ist der Typ mit dem abnehmbaren Gesicht? Was so unverständlich ist, dass man dem Helden nur noch zweifelnd in die Geschichte folgt. Aus ungewissem Grusel wird Mystery mit der Brechstange, und die Story geht durch die Brust ins Auge.
Pikapika allerseits

Jetzt wird's ganz schlimm, weshalb man es am besten seinen Kindern antut: „Pokémon Reisen“ ist derselbe Blödsinn wie Pokémon Irgendwas, nur noch liebloser erzählt. Dabei ist noch verständlich, dass Kinder Pikachu niedlich finden und seine Dialogzeilen („Pikachu“, „Pika“ oder „Pikapika“) süß. Die Hauptfigur heißt Ash, schreit im ersten Panel „Ich heiße Ash“ und falls man es DANN noch nicht begriffen hat, steht in einem Kasten drunter: „Hauptfigur Ash“. Satzbau? Szenenaufbau? Alles scheißwurscht, nimm 'ne Figur, kleb 'nen Kasten dran, geht auch! Geht das Abendland deshalb unter? Unmöglich: Kann man ja auf einen Zettel „Abendland“ schreiben und ihn irgendwo hin kleben. Na dann: Pikapika allerseits.
... wird natürlich fortgesetzt
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