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Comicverfuehrer

  • vor 24 Stunden

Der Klassiker, der den Boom zündete: Wie „Akira“ Deutschland den Einstieg in Japans Comic-Kultur erleichterte


Wenn es stimmt, was der Comic-Weise Andreas C. Knigge geschrieben hat (und es gibt keinen Grund daran zu zweifeln), nämlich, dass „Akira“ in den 80ern einen Manga-Boom ausgelöst hat, wirkt das zunächst kurios: Denn der Saga fehlt so ziemlich alles, was Mangas heute so gewöhnungsbedürftig macht. Zugleich ist dennoch vieles von dem drin, was am Manga so fasziniert. Zum Einsteigen wäre „Akira“ offenbar also genau richtig. Gewesen. Denn ich hab den ersten Band erst jetzt durchgelesen.


Entfernte Macken


Die Unmangigkeit (sag ich jetzt mal so) hat ihren Grund: Es wurde ein wenig nachgeholfen. Eines der Haupt-Umgewöhnungs-Hindernisse fällt so schon mal weg: Die „falsche“ Leserichtung von hinten nach vorn. Das war den Verlagen in den 80ern noch zu abschreckend, als hat man den Comic weitgehend gespiegelt, auch die deutsche Version. Bei der Bearbeitung verschwanden auch die japanischen Soundwords, es gab Westversionen – und die finden sich nur in Situationen, wo sie angebracht sind. Die (verschrobene? liebenswerte? authentische?) Manga-Macke, neben jemanden „an-der-Wand-lehn“ zu schreiben, der an einer Wand lehnt, entfällt in „Akira“ komplett.

Illustration: Katsuhiro Otomo - Carlsen
Illustration: Katsuhiro Otomo - Carlsen

Dafür gibt es reichlich Action in einer beeindruckenden Umgebung: „Akira“ spielt im gar nicht mehr fernen Jahr 2030, in einem nach dem dritten Weltkrieg wiederaufgebauten Tokio. Verstrahlt ist die Welt eher nicht, Kaneda und seine Freunde von der Berufsschule heizen auf ihren Motorrädern durch die Gegend wie sehr junge Marlon Brandos. Durch einen Unfall begegnen sie merkwürdigen Kindern mit Greisenköpfen, die zudem extreme telekinetische Fähigkeiten haben. Steckt natürlich jemand dahinter, und zwar wer?


Herrlich menschenfeindlich


Genau, die Regierung, die daraufhin beginnt, die unerwünschten Mitwisser zu jagen. Der Plot an sich ist nicht sooo besonders mitreißend, aber dafür sind es drei andere Dinge. Zuerst mal das Setting: Katsuhiro Otomo langt optisch richtig hin, seine industriellen Hi-Tech-Betonwüsten sind eine menschenfeindliche Augenweide. Leben will man da nicht, aber schmökern mag man da gern.

Illustration: Katsuhiro Otomo - Carlsen
Illustration: Katsuhiro Otomo - Carlsen

Das sehe ich ja auch immer wieder mit Freude, wenn ein Comic seine Produktionsvorteile nutzt: Wer dasselbe im Film machen will, zahlt teuer für Bauten oder Rechenleistung, im Comic entstehen Sahara oder Tokio-City mit dem gleichen Aufwand. Dazu kommen Motorräder, futuristisches Militärequipment, Waffen – all das inszeniert Otomo attraktiv und einfallsreich, die Actionsequenzen sind schnell geschnitten, das alles sieht sehr, sehr gut aus.


Geschickte Eingewöhnung


Drittens: Die soliden Dialoge. Es wird nichts dutzendfach erklärt, sondern so, dass es man’s begreift und dann ist Schluss. Ja, das ist nicht besonders genial, aber es ist zweckdienlich und nicht selbstverständlich. Häufig walzen Mangas ja Dinge unnötig bis exzessiv aus. Also eben nicht als geschickte Verzögerung, sondern sehr oft einfach nur breitgetreten und zerdehnt, als wären die Leser vermutlich alle ein bisschen doof.

Illustration: Katsuhiro Otomo - Carlsen
Illustration: Katsuhiro Otomo - Carlsen

In „Akira“ arbeitet Otomo seine Action und seine Informationen effizient und wirkungsbewusst ab. Wenn er noch zwei Seiten Platz hat, dauert der Knall nicht zwei Seiten länger, es gibt statttdessen noch zwei Crashs dazu. Nochmal: Das ist keine geniale Lösung, aber eine die zuverlässig hinhaut. Und die nachvollziehbar macht, warum mit „Akira“ der Manga in Deutschland Einzug halten konnte: Von sowas will man mehr, und allmählich darf’s dann auch anders sein oder japanischer. Mit weniger Farbe („Akira“ erschien in Deutschland zunächst bunt) oder von rechts nach linkser, oder, oder oder …




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