- 19. Apr. 2018
Comeback für Frank Miller: Zum dritten Mal lässt der Star-Autor den alternden Batman die Welt retten, denn Superman fällt aus – wegen Erziehungsproblemen

Wenn man ein Superheld ist und die Welt beherrschen kann: Warum sollte man diese Welt dann den Menschen überlassen, die sie nur ausbeuten, verschmutzen, zerstören? Gut, der liebe Gott macht das so, der will aber auch sehen, wie sich der Mensch bewährt – diesen göttlichen Prüfauftrag haben Superhelden nicht. In der neuen Graphic Novel von US-Altmeister Frank Miller beantwortet eine Sekte von Kryptoniern, ausgestattet mit denselben Kräften wie Superman, die Frage mit: „Man sollte nicht das Gewürm herrschen lassen, man sollte selbst über die Erde herrschen.“ „Make Kryptonians Great Again“, sozusagen – nicht nur deshalb ist Millers Rückkehr zum Comic erfreulich aktuell. Was nicht selbstverständlich ist, denn, ehrlich gesagt: Ich hab mich auf Neues von ihm schon mal mehr gefreut.
In einer Dekade zur Legende
Vor etwas mehr als 30 Jahren startete Miller eine Reihe von Projekten, die ihn innerhalb einer Dekade zur Legende machten und ihm sechs Eisner Awards bescherten. Er hat mit „Die Rückkehr des Dunklen Ritters“ Batman und das komplette Superhelden-Genre erwachsenen- und feuilletonfähig gemacht. Er hat mit „Sin City“ die düstere Welt Philip Marlowes mit einer clever-spartanischen schwarz-weiß-Optik renoviert. „Elektra Lives Again“ war eine Comic-Novelle im Superheldengewand über Abschied und Verlust. Er schrieb die Saga um Martha Washington, die Satire „Hard Boiled“, und mit „300“ lieferte er derart süffige Action aus der Antike, dass Zack Snyder den Band nur noch abfilmen musste.
Die besondere Stärke von Millers Comics lag dabei in der gesellschaftlichen und politischen Relevanz. Der „Dunkle Ritter“ erforschte nicht nur die Abgründe seines eigenbrötlerischen, selbst-gerechten Helden, er zeigte ihn auch gewitzt, böse und realitätsnah im Spiegel einer modernen Mediendemokratie. Martha Washington, eine schwarze Soldatin aus einem abgeriegelten Ghetto, kämpft sich durch einen Bürgerkrieg, in dem jede Organisation mitkämpft: Konzerne, Staaten, Nazis, die Gesundheitsindustrie. Der Kampf der 300 Spartaner gegen 100.000 Perser war immer auch ein Spiegel für den Einmarsch einer hoch überlegenen Supermacht – diese Perser waren eine antike Variante der USA. Aber irgendwie muss ihm nach all diesen Jobs und durch seinen neuen Job als Hollywoodregisseur (Sin City, The Spirit) die Lust am Zeichnen komplett abhanden gekommen sein.
Miller ging die Luft und die Lust aus
Schon die letzten Teile von „Sin City“ waren immer eindimensionalere Ansammlungen von schießfreudigen Kerlen und mehr oder weniger nackten Frauen. 2001 erschien dann die enttäuschende Fortsetzung seines Meisterwerks um den Dunklen Ritter, ein liebloser Dreiteiler, bei dem Panels gerne auf Seitengröße aufgeblasen wurden. Dazu wurde möglichst jeder Held der Comicgeschichte und jede Farbe der Computerpalette hineingerührt, ein Kessel Superbuntes.
Auch in „Dark Knight III: Die Übermenschen“ liefert Miller einige Panels ab, die den Eindruck hinterlassen als könnte er heute den Stift nicht schnell genug fallen lassen. Aber die gute Nachricht ist: das Zeichnen hat er zum größten Teil anderen überlassen, vor allem Andy Kubert, der die Original-„Dark Knight“-Optik interpretiert, zitiert, aber auch oft auch einfach nur angenehm imitiert. Die bessere Nachricht ist: Die Story hat wieder eine Menge ordentlicher Inhalte.
Starke Momente im Zwischenmenschlichen
Supermans Tochter Lara ist inzwischen im Teenie-Alter und der Kryptoniersekte verfallen, Superman selbst hält sich daher raus. Der Widerstand wird von Batman organisiert, bei Miller nach wie vor der einzige Superheld, der überzeugt ist, dass er immer Recht hat. Das Alter hat das verstärkt, Millers Batman ist jetzt über 60, er braucht eine Krücke, und als er verletzt wird, ringt er Superman einen ziemlich rührenden Senioren-Eid ab: „Kein Krankenhaus. Versprich es mir!“
Überhaupt hat die neue Novel ihre stärksten Momente oft im Zwischenmenschlichen. Bruce Waynes Sorge um und sein grenzenloses Vertrauen in Sidekick Carrie, die sich von Robin zum Catgirl zum Batgirl hocharbeitet, aber trotzdem immer sein „guter Soldat“ bleibt. Carries liebevolle Loyalität zur unverwüstlichen Fledermausvaterfigur. Die scheiternde Erziehung von Lara durch ihre Mutter Wonder Woman. Nicht neu, aber erneut schön provozierend ambivalent: Batman selbst, ein Traum von einem gerechten Faustrechts-Fanatiker, der gerade dadurch natürlich Sehnsüchte nach dem „guten Diktator“ beklemmend beflügelt.
Gangster fangen - ein Anachronismus
Kurz vor Schluss findet sich meine Lieblingsszene: das Bat-Team bei der eher beiläufigen Festnahme dreier Normalgauner. So hat das mal angefangen, und es ist schon verblüffend, wie anachronistisch dieser Moment heute wirkt. Denn nicht nur die gelegentlichen, recht harmlosen Trump-Einspieler zeigen: Die wahren Bedrohungen der Welt sind längst nicht mehr Kleinkriminelle, Ladendiebe und Falschparker.
Frank Miller/Brian Azzarello/Andy Kubert: Batman: Dark Knight III – Die Übermenschen, Panini, 39 Euro
Dieser Text erschien zuerst bei SPIEGEL Online.
- 11. Feb. 2018
Mangas sind auch nur Comics – oder? Ein skeptischer Selbstversuch zum ersten Todestag des Alt- und Großmeisters Jiro Taniguchi

Vor einem Jahr ist Jiro Taniguchi gestorben, den viele als den König der Mangas verehren. Kann es eine bessere Gelegenheit geben als anlässlich des ersten Todestags mit ihm wieder einmal den Einstieg ins Mangathema zu probieren? Denn bislang findet Manga bei mir nicht statt, und ich kann beim besten Willen nicht genau sagen, wieso. Sind doch auch nur Comics, oder?
Aufwändige Optik, extrem akkurat
Mangas gibt es in allen Themenbereichen, Action, Science Fiction, alles wie gewünscht, und dass man das Heft von hinten nach vorn lesen muss, kann ja wohl kein ernsthaftes Argument dagegen sein. Noch besser: Die Zeichnungen beim Manga sind oft unglaublich aufwändig und akkurat, und das gilt nicht nur für Taniguchi: Neben seinem neuen Kurzgeschichtenband „Killers“, der Novel „Ikarus“ und „Ice Age“ liegt vor mir auch „Monstress“ von Sana Takeda, eine neue Serie, zweimal für den Eisner Award nominiert. Überhaupt hinterlassen Mangas immer, wenn ich sie mal in die Hand nehme, einen ähnlich guten Eindruck wie deutsche Autos, deutsches Brot, deutsches Bier: Nicht immer Weltklasse, aber auf jeden Fall ordentlich verarbeitet. Sollte eigentlich eine Bank sein.
Zumal Taniguchi oft und gerne beeindruckende Technikpanoramen ausbreitet: In „Ikarus“, der Geschichte eines mutierten Kindes, das fliegen kann, entwirft er stadtteilgroße Labore, Werkshallen mit aberwitzigen Apparaturen. „Ice Age“ spielt in einer arktischen Mine, bietet gigantische Bergbau-Werke, umgeben von endlos aufragenden Felswänden, dazu Bergsteigerdramatik – wie geschaffen für Mangas, die auch gerne mit ungewöhnlicher Bildaufteilung arbeiten.
Gewitzte Beschleunigung mit dem richtigen Bildformat
Eine Felswand im Hochformat, noch eine Felswand im Hochformat – und dann das plötzliche Spannen des Seils als schmaler Bildstreifen quer über die komplette Seite gelegt, aber nicht rechtwinklig, sondern leicht angeschrägt, und dann die Folgen drunter Schlag auf Schlag in vier engen, extrem hochformatigen Bildern: das Entsetzen in den Augen, das plötzliche Gewicht auf dem Haken – da wird dem Leser routiniert und raffiniert eine aberwitzige Geschwindigkeit aufs wehrlose Auge gedrückt.
Und auch an die Speed Lines kann man sich gewöhnen, eine Art Strahlenkranz, der die Aufmerksamkeit wie eine Zoomfahrt mit der Kamera auf Personen und/oder Objekte fokussiert. Mich stören auch nicht die bisweilen eigenwilligen Geräusche, die in der deutschen Übersetzung für die japanischen Schriftzeichen eingesetzt werden: Ich habe zwar keine Ahnung, wie „KROOB“, „GWUTT“, „BATTS“ oder „SGWOON“ klingen soll, aber es gibt dem Manga etwas angenehm verwirrend Exotisches, wie Koriander in der Asiaküche. Nur die vielen Verzögerungen gehen allmählich auf die Nerven.
"KROOB", "GWUTT", "SGWOON"!
Das Prinzip kennt man, etwa von Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“: Drei Männer warten am Bahnhof, und dieses Warten zieht Leone extrem in die Länge bis zum großen Knall. Das funktioniert aber nur deshalb, weil Leone das nicht den ganzen Film hindurch ständig macht. Taniguchi macht es lieber und öfter, wie er überhaupt auch gerne Leute beeindruckend dastehen lässt. Und so gerne ich Killer nachdenklich rauchen und stehen und beobachten sehe, irgendwann sagt einem das Bild nicht mehr als „Aha, ist es wieder mal so weit.“ Was auch für Schuhe und Schuhspitzen gilt: Vorliebe hin und her, irgendwann winkt man die Schuhe nur noch durch. Aber kleine Marotten können einem den Spaß nicht komplett verderben – die Gesichter hingegen schon.
Es geht noch nicht einmal so sehr um das, was man öfter als die „typischen Mangagesichter“ bezeichnet, diese Figuren mit den großen Augen, dem dauerniedlichen Kindergesicht, der dreieckige Mund, die vor Glück oder Verlegenheit zugekniffenen Augen – das macht Taniguchi nicht. Es geht auch nicht um die plötzlich grotesk verzerrten Gesichter, ebenfalls mangatypisch: So ähnlich wie Jim Carrey in der „Maske“, ein Comedy-Element, das bei Taniguchi so gut wie nicht auftritt. Nein, es sind die ganz normalen Gesichter, die samt und sonders aussehen, als würden sie in einer arg limitierten Mimikfabrik produziert.
Gesichter wie aus der Gussform
Es gibt in „Ice Age“ eine Versammlung der Minenarbeiter. Sie sind wütend, und jeder von ihnen zeigt seine Wut – genau gleich. Es gibt einen Standardausdruck für Verwirrung, Zufriedenheit, Angst, Zweifel, Freude. Es gibt die Miene „nachdenklich“, „grimmig“, „entschlossen“, und wenn es von diesen in der Realität unendlich variierbaren Gemütszuständen bei Taniguchi immerhin mal eine zweite Variante gibt, dann ist es schon viel. Was eine Manga-Krankheit zu sein scheint: Auch die Gesichtervielfalt bei der Fantasysaga „Monstress“ ist keinen Hauch größer. Was den Genuss der Geschichten extrem beeinträchtigt, weil jeder Konflikt, jede Gefühlsregung dadurch geradezu ärgerlich synthetisch wirkt. Es ist, als wolle man die Bandbreite der internationalen Küche anbieten – mit der Vielfalt von McDonald‘s.
Irritierend dabei ist: der Aufwand. Mangas sind nicht hingeschludert, ganz im Gegenteil. Und dennoch würde ich jede Menge Schlamperei akzeptieren, wenn ich dafür einen Bezug zu den Geschichten und Personen aufbauen könnte. Vielleicht habe ich auch nur Pech mit der Auswahl gehabt, ich geb’s jedenfalls noch nicht ganz auf mit den Mangas. Wenn etwas in dieser Menge und Leidenschaft produziert wird, dann muss auch immer wieder mal was richtig Gutes dabei rauskommen. Bei Taniguchi sind’s immerhin schon mal seine Landschaften, seine Industrie- und Technikpanoramen: „Ice Age“ kann ich daher durchaus empfehlen, „Ikarus“ genauso. Seine Dialoge unter melancholisch rauchenden Killern gehen mir leider furchtbar auf die Nerven, wenn auch nicht ganz so sehr wie die Erklär-Katzen aus „Monstress“. Ich versuch’s aber weiter und bin für Empfehlungen dankbar.
Jiro Taniguchi, Ice Age, Schreiber & Leser, Band 1-2, je 16,95 Euro
Jiro Taniguchi/Natsuo Sekikawa, Tokio Killers, Schreiber & Leser, 16,95 Euro
Jiro Taniguchi/Moebius, Ikarus, Schreiber & Leser, 24,95 Euro
Marjorie Liu/Sana Takeda, Monstress, Cross Cult, Band 1-3, ab 15 Euro
Dieser Text erschien erstmals bei SPIEGEL Online.
- 19. Jan. 2018
Poetisch, brutal und boshaft brillant: Ein Band mit Kurzgeschichten des Franzosen Baru macht Lust auf das „Grand Theft Auto“ des Comics

Letztes Jahr hab ich seinen 70. Geburtstag verpennt, aber damals hab ich ihn ja auch noch nicht gekannt: Baru. Der Franzose hat gerade „Hier und dort“ rausgebracht, einen neuen Band mit Kurzgeschichten, er sei ein „Ausnahmekünstler“, steht hinten drauf. Und mir fiel dazu nichts Schlaueres ein als: „Wer?“ Also hab ich, weil um Weihnachten rum Zeit war, ein bisschen was von ihm nachgelesen, um herauszufinden, ob er wirklich so gut ist. Antwort: Ja, sogar noch besser – wenn man mit seiner Art klarkommt, Figuren zu zeichnen.
Nahe an der Karikatur
Das mögen ja viele Leser nicht so sehr, wenn es krakelig wird. Und Barus Protagonisten sind eigenwillig nahe an der Karikatur: Ungelenke Kinder mit spindeldürren Beinen, geltungsbedürftige junge Männer mit naiv-dummen Gesichtern, Rentner mit enormen Bäuchen, geschmackfrei aufgedonnerte Blondinen, eine interessante Sammlung von Körperkläusen und Körperclaudias tummelt sich da. Bei Baru gibt es eigentlich nur zwei Sorten Menschen: Solche, die versuchen, nach mehr auszusehen – und scheitern. Und solche, die den Versuch längst aufgegeben haben. Was zu seinen Geschichten passt.
Baru zeichnet nicht die Welt der Schönen und Reichen. Baru wühlt weiter unten in der Gesellschaft, bei den Arbeitslosen, den Alten, den Ausländern. Erstklassig ist hingegen, wie er diese schwer verkäuflichen Zutaten für exzellente Erzählungen nutzt.
Langsam köcheln – brutal explodieren
„Die Sputnik-Jahre“ etwa spielen in einem ärmlichen Industriestädtchen der Nachkriegszeit, Baru macht daraus ein anrührend-witziges „Fliegendes Klassenzimmer“. Der Schauplatz von „Elende Helden“ ist aussichtsloses Kaff, in dem nur noch Vergreiste und Vergessene leben. Als ein Kind verschwindet, wittern die Verlierer die Chance zum Heldentum – Baru lässt alles schön hochköcheln und dann so brutal wie grandios explodieren.
„Der Champion“ und „Wut im Bauch“ sind Aufsteiger- und Einwandererdramen, aber Baru erzählt sie aus dem Boxermilieu – schon hat dieselbe Story einen ganz anderen Wumms. Genau hier liegt der Unterschied, der Baru so empfehlenswert macht: Er würzt seine Geschichten aus dem Milieu mit Witz, Sex, Gewalt, das Ergebnis ist leicht konsumierbar und aussagekräftig zugleich, wie man es sonst nur von der Sitcom „Roseanne“ kennt oder von der boshaften Computerspielreihe „Grand Theft Auto“.
Baru beherrscht das Licht
GTA passt eigentlich sogar noch besser, weil Barus Optik vergleichbar verführerisch ist. Wenn man hinter seine verzerrten Menschen schaut, findet man plötzlich einen faszinierenden Fotorealismus. Sein bekanntestes Werk „Autoroute du soleil“ leitet er mit der mühsamen Sprengung eines alten Hochofens ein: Wie er das Stahlmonster auf einer Doppelseite mit viel Krawall umlegt, ist schlichtweg überwältigend. Der Rest der Graphic Novel spielt in einem wundervollen französischen Sommer, den Baru in schwarz-weiß derart heiß hinlegt, dass man hinterher schwören könnte, es wäre in Farbe gewesen.
Mit derselben Nichtfarb-Palette skizziert Baru in „Schönes neues Jahr“ die französischen Vororte der nahen Zukunft: Von der Politik aufgegeben, mit Mauern abgeriegelt, feindselig, kalt und nachts verwaist. Das klappt deshalb, weil Baru das Licht beherrscht. Er kann es so dunkel werden lassen, dass man verzweifelt mit der Nase ans Papier rückt, um ein bisschen mehr zu sehen. Lichtreflexe setzt er hingegen ähnlich gekonnt wie der Altmeister Mathias Schultheiss: gleißend, flackernd, blendend, funkelnd. Am faszinierendsten sieht man das bei Barus Autos.
Schäbige Peugeots, schraddelige Renaults
Er hat eine Vorliebe für sie, aber auch hier sind es nur selten schöne, bemerkenswerte Autos. Er zeichnet schäbige Peugeots wie den 204, schraddelige Renaults wie den R4 oder R5, von Mercedes die 190er und 200er, hässliche Fiats, vorzugsweise die schlimmen Endsiebziger-, Anfang-Achtziger-Schachteln mit dem Charme einer Auto-Dachbox. Der Lichtschein auf der Motorhaube, die Verläufe von Lack und Kanten, Reflexe in der Windschutzscheibe, all das ist nicht nur unglaublich präzise – es erzählt auch unendlich viel über die Tageszeit, das Wetter, die Temperatur. In „Autoroute du soleil“ etwa findet sich ein R4 bei Sonnenaufgang, von hinten auf einer Landstraße fahrend, und wer das sieht, der fühlt sich, als hätte er selbst die Nacht durchmacht und führe jetzt ins tröstlich verheißungsvolle Morgenlicht.
Auch in „Hier und dort“ findet man solche Kunststücke: Eine Panne mit dem Motorroller bei strömendem Regen etwa, so triefnass, dass man einen Lappen unter den Band legen möchte. Hauchzarte Gardinen, oder die Reflexionen der Straßenseite gegenüber in einem Schaufenster. Aber unterm Strich ist der neue Baru vor allem eine gute Gelegenheit, eine Menge alter Barus zu entdecken: Wer’s düster mag, startet mit „Elende Helden“, wer sich zum Popcorn-Kino bekennt, mit dem Gaunerspektakel „Hau die Bässe rein, Bruno!“
Baru, Hier und Dort, Edition 52, 18 Euro
Baru, Wieder unterwegs, Reprodukt, 20 Euro
Baru , Elende Helden, Edition 52, 18 Euro
Baru, Die Sputnik Jahre, Reprodukt, 29 Euro
Baru, Schönes neues Jahr, Edition 52, 15 Euro
Baru, Autoroute du soleil, Carlsen, 29,90 Euro
Baru, Hau die Bässe rein, Bruno, Edition 52, 22 Euro
Dieser Text erschien erstmals am 19. Januar 2019 bei SPIEGEL Online.
