- 31. Mai 2020
Der neue Hellboy-Film enttäuscht? Macht nichts, jetzt gibt es seine Comics gesammelt. Die zeigen den roten Teufelsbuben in Bestform: eigenwillig, finster und märchenhaft gruselig

Es ist doch letztlich alles zu was gut, auch der angeblich verheerende „Hellboy“-Film: Cross Cult nutzt die Gelegenheit, um auf drei backsteinschwere Kompendien mit den Originalcomics von Mike Mignola hinzuweisen, und die hatte ich bisher noch nie in der Hand. Ich mochte Guillermo del Toros Filme und nahm bequemlichkeitshalber an, die Comics wären wohl ungefähr genauso, aber weit gefehlt: Die Comics sind eigenwillig, exzellent, anders. Hui und wow. Wenn Sie den passenden Geschmack mitbringen.
Haarsträubende Prämisse – zauberhafte Wirkung
Zuerst mal muss man über eine haarsträubende Ausgangslage wegkommen: Wie im Film entsteht Hellboy in den 40ern durch ein bizarres Ritual (!) Rasputins (!!) im Auftrag der Nazis (beliebig viele !!!). US-Soldaten greifen ein und adoptieren das rothäutige Bürschchen, das schnell zu einem rauflustigen Schrank heranwächst und nach kurzer Lehrzeit einen Job bei einer seltsamen Behörde findet, für die er paranormale Phänomene erforscht, kurz – blühendster Trash, den man eigentlich vom Start weg in die Tonne treten kann. Was Mike Mignola draus macht, ist reine Magie, vor allem dank zweier recht einfacher Zutaten.
Zutat Nummer eins ist schwarze Tusche, Tonnen davon. Mignolas Geschichten spielen im Dunklen, Licht und Farbe verwendet er, als koste ihn jeder Tupfer davon seine persönliche Lebenszeit. Egal wie oder wo Hellboy und seine Gegenspieler gehen und stehen, wenn man mehr als die Hälfte von ihnen sieht, ist es ungewöhnlich viel. Ehrlich: Mignola bringt es fertig eine Gruppe im Tageslicht auf einen schneebedeckten Berg zu scheuchen und dabei halb in Schatten zu verschlucken. All das tut seine Wirkung: Die allgegenwärtige Finsternis verunsichert, auch, weil Mignola zusätzliche Informationen sehr sparsam streut.
Genüsslich ausgespielte Atmosphäre
Er lässt sich Zeit, viele Panels sind ohne jede Sprechblase, zeigen Umgebung, Details, oder besser: zeigen nicht, mangels Licht. Mignola kostet die Atmosphäre aus, dabei lässt er den Leser immer schön mitarbeiten. So, wie der die Dunkelheit mit eigener Fantasie und Unsicherheit ausfüllt, gibt ihm Mignola auch bei dem, was er zeigt, nur einfache, extrem reduzierte Formen, Umrisse.

Genauso effektvoll, wie im Dunkel jeder Lichtfleck ist, wie aus der brachialen Finsternis jeder Farbpunkt herausstrahlt, so effektvoll sind die Actionsequenzen, obwohl Hellboy eigentlich selten mehr als Prügeleien liefert. Mignola inszeniert jeden Auftritt der Schurken düster, bedrohlich, gigantisch, er würzt die Finsternis mit dem größtmöglichen Kontrast, vom höllischen Glühen bis zu Blitzen, Explosionen, Feuer in jeder Form, und natürlich gilt auch hier Mignolas Gesetz: Wo viel Licht ist, das ist auf jeden Fall immer noch viel, viel mehr Schatten.
Zutat Nummer zwei sind vorwiegend europäische Märchen, Geister- und Gruselgeschichten, von denen der US-Amerikaner Mignola einen unendlichen Fundus zu haben scheint – und die er mit schwer nachahmlicher Sensibilität verarbeitet. Je länger die Serie andauert, desto mehr nutzt Mignola nicht nur die Bestandteile als Versatzstücke, er imitiert den ganzen märchenhaften Charakter, märchenhaft in einem faszinierend altmodischen Sinn: Hellboy begegnet seltsamen Gestalten, die an seltsamen Orten offenbar nur auf ihn warten, ganz so, wie in Sagen irgendwer im Wald plötzlich kegelnde Geister trifft, ohne sich zu wundern. Sie geben rätselhafte Antworten, die Hellboy nörgelnd akzeptieren muss. Erklärt wird praktisch nie was, und vieles von dem, was geschieht, übersteht Hellboy auch selbst nur dank seiner Unverwüstlichkeit. Oft steht er zum Schluss ordentlich durchgemangelt in irgendwelchen Ruinen und weiß selbst nicht, was passiert ist, was ihn gerettet hat, was er draus lernen soll.
Erklärt wird praktisch nie was
Wie gut all das eingesetzt ist, fällt aber erst auf, wenn man Hellboy selbst näher betrachte, der für all das eigentlich denkbar ungeeignet ist. Seine Unzerstörbarkeit nimmt dem Leser schon mal die größte Sorge um den Helden. Und auch wenn Hellboy kein Sprücheklopfer ist, so reagiert er doch auch auf die größten Herausforderungen meist genervt-selbstbewusst, etwa mit „Halt einfach die Klappe“ oder „Och nö“. Doch das ruiniert weder Handlung noch Szenen: Zum einen, weil Hellboys Ungerührtheit zusätzlich betont, wie entsetzlich trostlos die Welt der Geister ist, denen er begegnet. Und weil Mignola seinem Helden subtil Verletzlichkeit beimischt, meist nur daran erkennbar, was Hellboy nicht tut.
Hellboy will lieber nichts Genaues über seine Herkunft wissen oder wo seine gigantische rätselhafte rechte Steinhand herkommt oder zu was ihn diese Hand verpflichtet oder vielleicht auch nicht. Hellboy drückt sich vor solchen Klarheiten wie viele Männer vor dem Arztbesuch. All das macht „Hellboy“ zu einem angenehm ungemütlichen, elegant ausbalancierten Schaudererlebnis, das allerdings schnell leidet, wenn man die Rezeptur ändert, wenn etwa Mignola anderen Zeichnern Stift oder Ausgestaltung der Story überlässt. Für Duncan Fegredo etwa, der den dritten „Kompendium“-Band bestreitet, gilt dasselbe wie bei vielen späteren Mitzeichnern: Er zeichnet nicht nur heller, er ist auch ungeduldiger – aber Mignola beweist: Weniger ist mehr. Außer bei der Tusche.
Dieser Text erschien erstmals bei SPIEGEL Online.
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- 23. März 2020
Es gibt Perlen unter den Mangas, aber man muss sie unter viel Fabrikware herauslesen. Der jährliche Selbstversuch mit Fernostcomics führt zu verborgenen Schätzen und einem Hilferuf
Also echt, das Schwerste beim Manga-Lesen ist: nicht wahnsinnig werden. Ich akzeptiere ja Manga-Schrullen, andere Kultur und so, klar. Aber manchmal ... Diese Geräuschmalerei zum Beispiel. Die macht mich richtig fertig.
Die Sache mit den Doppelungen
Sagen wir, jemand kehrt den Hof. Normale Comics zeigen das, daneben steht ein Wort fürs Kehrgeräusch, sagen wir: „ffttt, fffttt“. Im Manga steht da „kehr“. Wow. Außerdem gibt es auch Text für stille Tätigkeiten, etwa „den-besen-in-die-ecke-stell“. Und Texte für das, was das Bild ohnehin zeigt: Den Jemand freut der saubere Hof, er lächelt zufrieden, dann steht daneben „zufrieden lächel“. Nach zehn Mangabänden will man dringend mit einem Eimer schwarzer Farbe nach Japan fliegen, den Autor aufsuchen und an seine Bürowand „ICH HAB’S BEGRIFFEN!!!“ schreiben. Zwei Meter hoch, mit einem Tapezierpinsel.
Und „wütend-dreinblick“ dazu. Zur Sicherheit.
Post aus der Schmusefabrik

So, das musste raus. Ich versuche tapfer weiter, den Manga-Zauber zu enträtseln, aber meist gehe ich nur die Wände hoch. Für wie doof muss man die Leser halten, dass man ihnen alles zigmal erklärt? Stockdoof, das zeigt auch dieser Trend „Der Manga-Autor schreibt am Ende ein Briefchen“. Denn diese Briefchen sind alle gleich. „Hallo, Leser, lieb dass du da bist. Das ist mein erstes Werk, ich bin so glücklich, dass ich gedruckt werde, ich mache sicher Fehler, aber ich werde mir Mühe geben. Lies mich bitte weiter.“ Einer wie der andere, ehrlich, da fehlt nur noch: „nach Diktat verreist“. Glauben die denn, das fällt nicht auf? Oder jubeln Manga-Leser über das Immergleiche wie sonst nur die Fans von „Dinner for one“?
Ich bin jedenfalls noch nicht soweit.
Trotzdem kann Ihnen in den hier empfohlenen Mangas so was begegnen, aber nicht so extrem wie in „Relife“, einer Bodyswitch-Geschichte für Leute, die neben einem Witz gerne „lach“ stehen haben (nichtmög!). Was bleibt also übrig, wenn man den Berg Zauberhexen („Atelier of Witch Hat“, „Zelda Twilight Princess“, „Braut des Magiers“) aussortiert, die was Besonderes sind, es aber noch nicht wissen, und dann „turbulente Action mach“, und „sich heitere Verwicklungen ergeb“, so dass „sich wegschmeiß“?
Altmeisterliches von Mizuki und Tsuge

Erstmal was Altmodisches: zwei Titel von Altmeistern. Einer davon ist „Tante NonNon“ von Shigeru Mizuki. Mizuki verarbeitet seine Kindheit, und da akzeptiert der westliche Blick die karikierten Figuren viel bereitwilliger als etwa in Mizukis Hitlerbiographie aus den 70ern. Wer Mawils „Kinderland“ mag, ist hier richtig.
Themenverwandt ist der hübsche Band „Rote Blüten“ von Yoshiharu Tsuge: Ebenfalls autobiografisch geprägt, mit zahlreichen Kurzgeschichten, die Tsuge aus den Erlebnissen seiner Wandertrips in die ärmeren Gegenden Japans speist. Entstanden sind eigenwillige Miniaturen, nicht auf Pointe getrimmt, melancholisch, mitunter sogar kafkaesk verstörend.
Der Kochtrend kommt im Manga an

Im Trend liegt offenbar auch: Kochen. Eine Version fand ich haarsträubend, nämlich „Delicious in Dungeon“ von Ryoko Kui. In einer Fantasywelt beschließen vier Abenteurer aus Geldmangel, sich von Monstern zu ernähren, das ist schon der ganze Gag: Monster essen, igitt. Das wird nicht komischer als bei Kaviar zu sagen: „Iih, Fischeier“, da helfen auch die erfundenen Rezepte nicht.

Spannender ist da „Golden Kamuy“ von Satoru Noda, ein blutiger Mix aus „Was ist was?“ und der „Sendung mit der Maus“.
Erst ist’s nur eine makabre Schnitzeljagd: Ein erfolgloser Goldschürfer erfährt von einem Schatz. Den Ort des Verstecks hat ein Gangster aus dem Knast geschmuggelt, indem er Mithäftlingen Teile der Information in die Haut tätowiert hat. Die Häftlinge sind inzwischen in der Wildnis verstreut, um sie zu finden, ist der Schürfer plötzlich auf ein Mädchen angewiesen. Sie ist eine Ainu, eine japanische Ureinwohnerin, naturverbunden, gewiefte Jägerin. Ab hier ergänzen immer wieder Ainu-Informationen das Gemetzel. Was muss man in der Natur dabei haben, wie und wo fängt man Eichhörnchen (und wie isst man sie), wie baut man eine Schutzhütte, wie liest man Spuren. Nodas Bildungswunsch lässt ihn diese Infos manchmal arg hölzern einbauen, aber das verzeiht man, weil dieses Actiontainment erstklassig unterhält.
Actionreich durchgenudelt

Richtig gut gefallen hat mir vor allem ein Band, der nicht von einem Manga-Profi stammt: „Ryuko“ von Eldo Yoshimizu, einem Bildhauer. „Ryuko“ ist eine solide Yakuza-Story mit dünn bekleideten Mangamädels, aber die Action-Sequenzen sind schwindelerregend. Yoshimizu schneidet extrem schnell und wechselt seine ungewöhnlichen Perspektiven so rasch, dass der durchgeschleuderte Leser im Rausch der Sinne selber nicht mehr weiß, ob er gerade sitzt, steht oder liegt. Vergleichbares hab ich lange nicht gesehen, aber wer „Ryuko“ mit dem Rest des Angebots vergleicht, der ahnt, dass der durchschnittliche Manga-Leser wohl was anderes will.
Wenn ich nur wüsste, warum.
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- 11. Juni 2019
Westerntitel feiern im Comic ein Comeback: Die Verlage legen Klassiker neu auf oder beleben das Genre neu. Lesen Sie, wo Sie ziehen sollten – und wo Sie steckenlassen können
Liegt’s am ziemlich hervorragenden Videospiel „Red Dead Redemption 2“? An der Suche nach einfachen Problemen und klaren Lösungen? Denn obwohl Western bei Kindern angeblich out sind, im Comic-Bereich sprudeln sie derzeit geradezu. Der „Tagesspiegel“ hat kürzlich eine Sammelgeschichte gemacht, und schon jetzt kann man wieder eine schreiben, ohne große Gefahr von Doppelungen. Sechs Titel finden Sie hier, die perfekte Anzahl, wie wir vom glorreichen Halunken Clint Eastwood wissen. Nicht alle sind top, aber jeder hat natürlich seinen eigenen Geschmack. Und jeder Revolver seinen eigenen Klang.
Punkte sammeln mit Nebel

Antonio Hernandez Palacios wird alt. Nicht schlecht, aber er scheint Mitte der 80er ein bisschen die Lust verloren zu haben. Der dritte „Mac Coy“-Sammelband lässt die absoluten Glanzpunkte vermissen, die aufregend inszenierten Seiten, die völlig aberwitzigen Farbkombinationen. Und die Storys sind immer noch nicht wirklich erstligatauglich. Diesmal pfuscht ihm die Geschichtsbegeisterung besonders deutlich ins Handwerk: Weil Mac Coy ja öfter historische Begebenheiten miterleben muss, wird diesmal deutlich, dass der Held längst über 20 Jahre hätte altern müssen – das wird dann schon etwas sehr wurschtig ignoriert. Aber trotz aller Nörgelei: Noch immer liefert jeder Band von Palacios einen wundervoll zerknitterten, verranzten, staubig verschwitzt stinkenden, authentischen Wilden Westen und gelegentlich auch etwas richtig Neues: Nach einer wundervollen Seite im strömenden Regen verlässt Palacios seine bewährte Strichtechnik. Für drei Seiten im dichten Nebel wechselt er zu Punkten, und das allein ist schon fast wieder den ganzen Band wert.
Mehr Möpse als Kawumms

Auf Anhieb erinnert der Stil von Paolo Eleuteri Serpieri ein wenig an Palacios. Und was die Stories angeht, sind sie vergleichbar nichtssagend. Aber Serpieri zeichnet sauberer, und was Action angeht, ist er in „Lakota“ zurückhaltender: Entweder liegt sie ihm nicht, oder er zeichnet einfach gern seitenweise Dialoge. Nachdem die aber mäßig sind und er nicht über allzu viele Inszenierungsideen verfügt, hat man sich rasch sattgesehen. Das hinterlässt eine rechte Enttäuschung, denn vom Untergang General Custers am Little Big Horn erwartet man doch ordentlich Drama und Kawumms. Da ist es nicht ungeschickt, dass Serpieri nie sein Haupt-Standbein vergisst, das Fantasy-Epos Druuna: Bei Serpieri besteht immer die Möglichkeit, dass einfach mal enorme Frauenbrüste ins Bild ragen. Muss man mögen. Paolo Eleuteri Serpieri, Lakota, Schreiber & Leser, 29,80 Euro
Die richtigen Vorbilder sind nicht genug

Lincoln, ein übellauniger Faulpelz begegnet dem lieben und goldgräberartig verlotterten Gott, der ihm die Unsterblichkeit schenkt und nebenher irgendeine fragwürdige Sache mit dem Teufel laufen hat. Eine Parodie also, und sie klaut bei den richtigen Vorbildern: Jerome Jouvray orientiert sich zeichnerisch an Christophe Blain, sein Bruder Olivier für das Szenario an Lewis Trondheim. Zündet leider nicht, weil: zu viele Konstruktionsfehler. Gott will Lincoln zum guten Menschen und Helden machen, Lincoln stört das aber nicht. Hm. Lincoln will meist seine Ruhe, macht aber doch meist was Gott will. Soso. Es gibt jede Menge Action, aber Lincoln riskiert als Unsterblicher ja nichts. Puh. Dazwischen sorgen ein paar ordentliche Gags und ein paar richtig heftige Szenen für allgemeine Unentschlossenheit. Schade eigentlich, ein neuer Lucky Luke (so wird „Lincoln“ gelegentlich beworben) wäre nett gewesen – aber das ist Lincoln leider nicht. Olivier, Jérôme & Ann-Claire Jouvray, Lincoln, Schreiber & Leser, Bd.1-2, je 14,95 Euro
Rasanter Rollentausch mit Revolver

Ist das ein Western? Eigentlich ist „Mondo Reverso“ was ganz anderes: Eine Geschlechterdebatte, für die Dominique Bertail und Arnaud le Gouëfflec einfach die angestammten Rollen vertauscht haben. Die Frauen haben die Hosen und die Revolver, die Männer die Kleider. Die Vorurteile sind dieselben, bloß umgekehrt: Männer haben immer Kopfschmerzen, Frauen saufen und furzen. Erstaunlich ist, wie weit Bertail/Gouëfflec mit diesem eigentlich recht banalen Dreh kommen – weil es zeigt, dass vieles bleibt, wie es ist: Die Verunsicherung, sich als Mann oder Frau falsch zu verhalten, die eigene Verblüffung, weil es plötzlich Frauen sind, die sehr detailreich Köpfe wegballern und sich einen Dreck um Männer scheren. Wie gesagt: Ein simpler Dreh, und dennoch ist das Ergebnis überraschend irritierend und häufig auch komisch. Aber ist das ein echter Western? Eher zufällig, das Setting hätte man auch im Weltraum oder im ritterlichen Mittelalter durchspielen können. Die Landschaften sind dennoch sehr ansehnlich geraten, und harte Frauen, die einen Revolver, eine Winchester oder einen Sattel herumtragen, einen vollbärtigen Typ im Kleidchen hinter sich herziehend, all das wirkt natürlich deutlich cooler mit einer Zigarette oder Eastwoods Zigarillo zwischen den Zähnen – und den gibt’s im Weltraum eher selten.
Rache und Radau

Ein einarmiger Held in einer völlig verwahrlosten Welt: Klingt ein bisschen nach „Für ein paar Dollar mehr“, und es gäbe schlechtere Vorbilder. Leider fehlt jede Doppelbödigkeit, und damit morden und vergewaltigen die Schurken letztlich nur noch, damit es einen guten Grund zur Rache gibt. Das Ganze kommt in hübschen, aber letztlich handelsüblichen Bildern. Nice to have, genauso nice to have not.
Lederstrumpf mit Schatzinsel-Aroma

Klassisch, aber neu: „Corto Maltese“-Schöpfer Hugo Pratt hat die Serie „Ticonderoga“ gezeichnet, von Hector Oesterheld („Eternauta“) stammt die Story um den titelgebenden jungen Waldläufer, die in den 50ern in Argentinien erschien. Wir sind im britisch-französischen Krieg um Nordamerika, Lederstrumpf-Szenario also, aber aus Jungen-Sicht, der „Schatzinsel“-Perspektive. Das ist gleich dreifach gut: Einerseits sympathisch altmodisch, wird andererseits gerade in Anbetracht des jungen Zielpublikums erstaunlich schonungslos gestorben und getötet. Und Pratt tuscht die Action „Prinz Eisenherz“-würdig, Natur und Landschaft mit viel Sinn für großes Kino, und all das in erstaunlich lebendigem schwarz-weiß, obwohl ihm das Querformat anfangs nicht mal Platz für Splashes lässt. Erstmals auf deutsch, schön gebunden, im Schuber mit vielen Extras – Zeit war’s!
