- 3. Feb. 2023
„Karl der Kleine“ macht sehr viel richtig: Gute Ideen, Interessantes aus der Regionalgeschichte. Fragt sich nur: sieht Julia (11) das ähnlich?

Erstmals bin ich richtig voreingenommen: „Karl der Kleine“ ist mir einfach sympathisch. Ein Aachener Regionalcomic, der sich aber nicht so liest, als ob ihn die örtliche Tourismuszentrale in Auftrag gegeben hätte. Was daran liegen könnte, dass der kleine Karl Teil einer Serie ist, man also nicht krampfhaft alle Aachener Details in einen Band stopfen muss. Und daran, dass Zeichner Neufred, der tatsächlich Alfred Neuwald heißt, selbst Comic-Fan ist und keine zwangsverpflichtete Grafikagentur.
Aus Granus wird Granini
Sein Serienheld heißt Karl der Kleine, natürlich ein Historikerwitz, weil Karl der Große ja immer noch seinen Thron in Aachen hat. Karl muss mit seiner bärtigen Freundin in die Vergangenheit reisen: Früher hieß sie Granus und war Comicstar, heute aber heißt sie Granini und ist eine Frau, weshalb ihr die alten Comics unangenehm sind.
All das ist natürlich nur ein Vorwand für eine Reise in die Stadtgeschichte, mit einer ziemlich überzeugenden Reiseleitung: Neufred ist ein penibler und erfreulich versierter Zeichner, der Gebäude so gut hinbekommt wie die alte Aachener Pferdebahn, die bunten Autos der 60er Jahre. Ich habe kürzlich in einem namhaften Verlag einen Zeichner am VW-Bully mehrfach jämmerlich scheitern sehen, aber bei Neufred ist nicht nur der Bully eine Freude, sondern auch der VW 1600 sofort erkennbar, oder der Ford Taunus P3.
Seltsam: Was eben super war, ist heute mau
Enttäuschenderweise zündet das bei Julia nicht recht. In Geschichte ist sie erst bei den alten Griechen, weit vorm großen Karl. Die wunderschönen alten Autos, die Bahn, bei der man bergauf mitschieben muss, um dem Pferd zu helfen, die wunderliche historische Figur des Lennet, ein gutgelauntes Stadtoriginal, das vom Eingeladenwerden lebte... all das klappt nicht so recht. Und was bei „Alldine“ noch aufging, Figuren, die wissen, dass sie in einem Comic sind und damit spielen, hier begeistert das Julia weniger. Ist's das Regionale? Wäre München besser? „Mmmh. Ein bisschen“, sagt sie.
Die beste (weil schönste) Stelle:
Wie Granini und Karl in den Comic schlüpfen. Diese ganze Seite begeistert Julia absolut: „Wie die Comicfiguren am Rand der Seite stehen. Und wie die beiden dann reingezogen werden!“
Julias Entscheidung

Es ist klar: Die beiden Spitzenplätze sind ungefährdet. Bei „Boris, Babette“ kommt Julia erstmals ins Grübeln. Lustig ist gut, lustig ist Printenherz schon irgendwie auch, aber es fehlt offenbar das Überdrehte, Aufgekratzte...
1. Alldine & die Weltraumpiraten
2. Zack!
3. Boris, Babette und lauter Skelette
4. Karl der Kleine: Printenherz
5. Superglitzer
... wird natürlich fortgesetzt
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- 29. Jan. 2023
Dicker Brocken: „Alldine & die Weltraumpiraten“ steigen ein ins Rennen um den besten Kindercomic – was sagt Julia (11) zu einem der Geheimfavoriten?

„Alldine“ ist eine Zukunftsgeschichte, paradoxerweise aus der Vergangenheit: Comic-Star Joann Sfar startete die Parodie-Serie „Sardine de l’espace“ vor gut 20 Jahren, der „Schaltzeit-Verlag“ hat sie ausgebuddelt, und jetzt gibt’s Teile davon unter dem Titel „Alldine & die Weltraumpiraten“. Das Titelmädchen reist mit seinem Piratenonkel Jack durchs All, das von den Schurken Supermuskelprotz und Dr. Knautsch beherrscht wird. Experten sagen: hoher Suchtfaktor, bei Kindern. Ich hab natürlich sofort was zu nörgeln: Der Schurke ist mehr so ein viel zu leicht überwindlicher Watschenkasper. Aber als Julia mit dem gelesenen Band zurückkommt, ist sofort klar: Alldine ist Titelkandidatin.
Da fehlt doch was – oder?
Das merkt man an den vielen Zetteln. Bei den Comics bisher suchte Julia angestrengt nach Stellen, an denen sie ihre Meinung festmachen konnte. Hier findet sie jede Menge. Und dabei hat „Alldine“ sogar einen Fehlstart! Julia findet einen faustdicken Continuity-Fehler. Drei Polizisten kommen in eine Weltraumbar, Onkel Jack haut den Chef k.o., und Alldine sagt, er solle sich als Polizeichef verkleiden, bevor die anderen beiden aufwachen. Hä? Die hat doch niemand ausgeknockt! Und warum hat Jack plötzlich einen Fleck auf dem Piratentuch?
Julia hat recht. Möglicher Grund: „Schaltzeit“ druckt nicht die Originalalben, sondern bedient sich querbeet am erschienenen Material. Weshalb die Auswahl auch mal zu lang für die standardisierte Buchseitenzahl sein könnte, und dann enden eben Teile der Prügelei in der Bar unterm Schneidetisch. Fände ich unelegant, ist Julia aber egal. Die anderen Zettel sind nämlich alle tolle Stellen!
Viel zum Lachen, viel zum Staunen
Allein die niedliche Katze, die jedes Abenteuer beendet, indem sie „Ende“ sagt. Und im ersten Abenteuer sagt sie sogar „Ende“ gleich am Anfang! Niedlich und lustig. Das Abenteuer, wo Julia den Figuren helfen muss, indem sie den Comic auf den Kopf stellt! Und wie der böse Dr. Knautsch befiehlt, dass nur noch zwei Figuren in einem Panel sein dürfen, und in jeder Sprechblase nur noch zwei Worte! Seltsam und super: Alldine und ihre Freunde wissen, dass sie selber in einem Comic sind! Und es gibt auch eine gruselige Stelle: Supermuskelprotz rupft nämlich allen Engeln die Flügel, um mit den Federn Kissen zu machen. Und das Rupfen, und die armen Engel mit den nackten Flügeln, die ihre eigenen Feder in die Kissen stopfen müssen, das findet Julia eigentlich zu heftig. Aber diese knallbunte Rundum-Mischung beschäftigt sie mehr als jeder Comic vorher, das sieht nicht gut aus für den bisherigen Spitzenreiter „Zack!“.
Die beste (weil lustigste) Stelle:
Die ganzen drei Zwei-Worte-pro-Sprechblase-Seiten, die Julia kichernd vorliest.
Die schönste Stelle:
Wie Alldine von einem Panel in das daneben hüpft.
Julias Entscheidung

Ein harter Kampf. Eine Gewissensprüfung. Weil „Zack!“ auch gute Stellen hat, und vor allem: Die Zeichnungen sind irgendwie hübscher. Julia ziert sich lange hin und her, weil, man muss ja fair sein und gerecht bleiben und alles, aber dann...
1. Alldine & die Weltraumpiraten
2. Zack!
3. Boris, Babette und lauter Skelette
4. Superglitzer
... wird natürlich fortgesetzt
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- 27. Jan. 2023
Wie gut ist das Juniorformat der neunten Kunst? Die Fortsetzung der gefürchteten Challenge 2023 überrascht heute mit besonderen Farben - und Superglitzer

Lese lieber ungewöhnlich
Man merkt sofort: Dieser Comic ist anders. Zunächst mal: Blassere Neonfarben, ein bisschen leuchtstiftig, das ist nicht der Standard. Und auch die Tiere sind nicht knuddelig. Ist das überhaupt ein Kindercomic? Ich hab's nochmal auf der Verlagshomepage überprüft: Ja, ist er. Und darum geht's:
Die Tiere im Wald finden ein Smartphone. Erst rätseln Fuchs und Elster, was es ist. Dann zeigen die Ameisen, wie man's bedient. Und anschließend bestellen die Tiere eine Pizza. Wie das geht, ohne sprechen zu können? Wie man als Tier überhaupt ein Handy bedient?
All das ist Teil des Spaßes.
Prädikat: fabel-haft
Allerdings ist dieser Spaß anders als bei „Zack!“ oder „Boris und Babette“. Weniger abenteuerlich, eher fabel-haft. Und die Tiere sind auch nicht superniedlich. Die Elster ist sehr natürlich, der Fuchs dagegen eher gestreckt, eckig. Auch die Ameisen sind sehr kantig und winklig, das sieht alles sehr nach Kunst aus. Sehr ästhetisch, aber ... Julia akzeptiert die Optik. Die Story hingegen weniger.
Weil Julia höflich ist, sagt sie: „Naja, ist ein bisschen langweilig.“ Das Selfie, das die Tiere versehentlich machen (was ich ziemlich komisch fand) - Julia zuckt mit den Achseln. Die überall herumliegenden Blätter mit den staunenden Augen, der Pilz, der „OMG“ sagt, all das beeindruckt sie nicht. Eher stört sie, dass es Tiere (oder Pflanzen?) mit langen Borsten gibt, die sie nicht eindeutig zuordnen kann: Was soll das sein? Spontan begeistert ist eher ... die Frau, die mit mir in der Wohnung wohnt. Die sagt sofort: „Das sind aber schöne Farben“. Hm. Ist das wirklich ein Kindercomic? Ja, ist es.
Die beste (weil lustigste) Stelle: Die SMS der Ameisen mit den ganzen Rechtschreibfehlern.
Die zweite Entscheidung
Erneut die Frage: Wenn Julia einen Comic an eine Freundin verschenken dürfte, welcher wäre es?
1. Zack
2. Boris, Babette und lauter Skelette
3. Superglitzer
